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Hardware- und Nachrichten-Links des 24./25. August 2016

Mit der HotChips-Konferenz hat AMD nun auch noch mehr Details zur Zen-Prozessorenarchitektur veröffentlicht – wobei vieles bereits mittels der kürzlichen Vorab-Präsentation bekannt war, AMD also "nur" noch diverse Informationslücken gefüllt hat. Entsprechende Artikel von Golem, Heise, AnandTech und PC Perspective haben sich mit diesen neuen Präsentationsfolien beschäftigt, deren die Zen-Architektur betreffenden Slides am Ende unseres kürzlichen Zen-Artikels gespiegelt wurden. Die vorgenannten Artikel sind sich derweil darüber einig, das Zen für den Augenblick wie ein gelungenes CPU-Design aussieht, welches vor allem keine auffälligen Schwächen in irgendwelchen Teilbereichen haben dürfte, sondern auf eine rundherum gute Performance unter allen Anwendungsarten ausgelegt ist. Dafür ist das Zen-Design dann auch ziemlich dem ähnlich, was Intel zuletzt so entwickelt hat – aber andererseits muß man das Rad schließlich auch nicht neu erfinden bzw. versuchen, auf Zwang einen abweichenden Weg zum Ziel zu finden. Wie dies schiefgegangen kann, konnte AMD schließlich mit der Bulldozer-Architektur bereits selber erleben.

AMDs "Zen" HotChips-Präsentation (Slide 7)
AMDs "Zen" HotChips-Präsentation (Slide 7)
AMDs "Zen" HotChips-Präsentation (Slide 14)
AMDs "Zen" HotChips-Präsentation (Slide 14)

Die PC Games Hardware beschäftigt sich dagegen mit der Kritik gegenüber AMDs Zen-Benchmark mit Blender. Der Hauptpunkt, das AMD an der Blender-Entwicklung beteiligt ist, spielt keine wirkliche Rolle, da dies nur den GPU-Ansatz von Blender betrifft, nicht jedoch den CPU-Ansatz. Auch der Einwand eines Intel-Mitarbeiters, daß Blender sowieso alle Prozessoren-Architektur mit angepasstem Code anfasst, spielt keine ganz große Rolle – weil dies primär bedeutet, daß Blender bereits bestmöglich auf Intel-CPUs optimiert sein dürfte. Insofern kann diese hauptsächliche Kritik wohl als ausgeräumt betrachtet werden – nichtsdestotrotz interessant ist der Nebenpunkt, daß AMD bei seinen Benchmarks das Intel-System nur im DualCore-Modus hat laufen lassen, obwohl der benutzte Broadwell-E natürlich über ein QuadChannel-Speicherinterface verfügt. Man kann sicherlich argumentieren, das im Sinne eines Architektur-Vergleiches auch das Speicherinterface gleich sein sollte – aber wenn am Markt diese Prozessoren dann letztlich eben doch mit diesem (kleinen) Unterschied verfügbar sein werden, dann gehört jener wohl doch mit in den Benchmark. Ein ganz perfekter Vergleich ist das ganze somit dann also doch nicht geworden, auch wenn der Punkt der Speicherbandbreite unter Blender keine Welten ausmachen soll.

Zu AMDs Zen geistert zudem immer noch die Idee einer leistungsfähigen Zen-APU (so wie bei den Konsolen-SoCs) durch die Foren, so auch bei uns: Hierzu aussagekräftig sind die Postings No.1, No.2 und No.3 – in jenen allerdings auch schon Zweifel daran geweckt werden, ob ein solches Projekt wirklich sinnvoll wäre. Denn selbst wenn AMD alle technischen Probleme bei einer 4-Kern-APU mit grob 2000 integrierten Shader-Einheiten lösen kann (ausreichende Speicherbandbreite, Kühlung dieses 200-Watt-Monsters, wirtschaftliche Herstellbarkeit bei Chipflächen von geschätzt 350mm²), so bleibt am Ende immer noch die Frage, was denn der Hardware-Käufer bevorzugen würde, wenn jener beide Angebote vor der Nase hat: Einen PC mit solcherart SoC auf der Performance einer AMD-APU sowie vergleichsweise einer Radeon RX 470 – oder einen PC mit separater CPU und Grafikkarte der identischen Leistungsklasse? Sofern das SoC-Angebot nicht gerade einen sehr erheblichen Preisvorteil bietet – und üblicherweise verschwinden CPU-Preise recht gut im Gesamtpreis von Komplett-PCs – ist das separate Angebot am Ende immer vorzuziehen, weil die Modularität eben auch eine einfache Austausch- und Aufrüstbarkeit ergibt. Diesen Vorteil sollte man normalerweise noch nicht einmal für einen geringen Preisvorteil aus der Hand geben, weil sich das ganze schon lohnt, wenn zur Lebenszeit dieses PCs nur ein einziges Mal die Grafikkarte aufgerüstet wird.

Wenn man es sich ehrlich eingesteht, ist das ganze Konzept der Spiele-Fähigkeit von APUs doch eine Schimäre: Für die Hersteller von Komplett-PCs und damit die Zulieferer entsprechende Prozessoren ist die scheinbare Spielefähigkeit zum geringen Preis einfach ein Verkaufsargument – ohne daß außerhalb des Mobile-Felds jemals jemand ernsthaft mit APUs spielen wollte. Das ganze ist im Desktop schlicht ein Notbehelf, wird aber (einzelne Ausnahmen bestätigen die Regel) kaum bewußt derart geplant. Deswegen hat AMD bei seinen Prozessoren-Verkäufen über die Jahre hinweg überhaupt nicht von der gerade anfänglich extrem viel höheren Spiele-Performance seiner verschiedenen APUs profitieren können – es geht bei diesen Prozessoren weniger um eine höhere Spiele-Performance, als vielmehr zuerst nur um die grundsätzliche Möglichkeit, Spiele auch ohne extra Grafiklösung starten zu können. Hätte es eine bedeutsame praktische Nutzung dieser Möglichkeiten gegeben, wären Hardware-Käufer und Anbieter von Komplett-PCs schon vor Jahren mehr oder weniger komplett auf AMD-APUs umgeschwenkt, denn erst in jüngerer Zeit wurden die integrierten Grafiklösungen von Intel-Prozessoren ähnlich schnell (sind aber treiberseitig nach wie vor nicht so gut wie AMDs Angebote auf die Praxis vorbereitet). Dieser Marktumschwung zugunsten von AMDs APUs ist nun augenscheinlich nicht passiert – ein klarer Hinweis darauf, wie wichtig die pure Leistungsfähigkeit von integrierter Grafik letztlich vom Markt gesehen wird.

Heise vermelden einen weiteren Anlauf zugunsten von Spielestreaming – in dieser Form, als daß Sony seinen bisher nur für die PS4 verfügbaren Spielestreaming-Dienst "Playstation Now" in Großbritannien, Belgien und den Niederlanden auch für den PC geöffnet hat, weitere Länder sollen folgen. Damit stehen immerhin 422 PS3-Spiele zur Verfügung – die Spiel-Berechnung findet auf Sonys Serverfarmen statt, so daß für den Nutzer vor allem Stabilität & niedrige Latenz seiner mit mindestens 5 MBit/sec angegebenen Internetverbindung wichtig ist. Gegenüber früheren Versuchen in diese Richtung hin hat Sony wenigstens ein großes Spieleangebot als Pluspunkt – aber da es sich nur um PS3-Titel handelt, ist das ganze eher eine Zweit- bzw. Drittverwertung, welche üblicherweise kein großes Echo hervorruft. Ansonsten hat sich beim Thema "Spielestreaming" nach wie vor nicht viel bewegt, die ganzen hierzu mit viel Brimborium gestarteten Dienstes krebsen entweder vor sich hin oder sind schon wieder untergegangen. Angesichts der breiten Verfügbarkeit entsprechender Internetverbindungen – was früher mal als Hauptproblem angesehen wurde – überrascht dies etwas. Sicherlich hat sich bislang auch nie ein wirklich interessantes Angebot ergeben, die meisten der entsprechenden Dienste sind eigentlich immer nur mit dem alleinigen Versprechen auf eine goldene Zukunft an den Start gegangen.

Shortcuts: Als ziemlich interessant wird derzeit das von der PCWorld ausgegrabene Detail angesehen, daß nVidias Interconnect-Technologie NVLink in der Version 2.0 schon nächstes Jahr in IBM-Servern verfügbar sein soll – nicht wegen NVLink 2.0 selber, sondern weil jenes zusammen mit der Volta-Architektur kommt und jene damit ein Datum hätte. Allerdings stammt die zugrundeliegende Präsentation auch schon wieder vom letzten Jahr, ist damit die Aussage "Volta = 2017" weiterhin nicht wirklich sicher – auch wenn dies sicherlich einmal die ursprüngliche Planung seitens nVidia war. Die PC Games Hardware vermeldet die erste Radeon RX 470 zu einer UVP-Angabe von 200 Euro seitens HIS. Dies ist zwar 15 Euro unter dem deutschen Listenpreis von AMD, trifft aber viel eher auf den US-Listenpreis von 179 Dollar zu, welcher umgerechnet mit Mehrwertsteuer eigentlich Preislagen der Radeon RX 470 schon ab 190 Euro ermöglichen sollte. Wie üblich haben die Grafikkartenhersteller den Launch zuerst mit ihren Werksübertaktungen bestritten, aber mit der Zeit sollten auch mehr "normale" Karten in den Markt gelangen und dort dann auch Preise von unter 200 Euro für die Radeon RX 470 anpeilen helfen.