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Hardware- und Nachrichten-Links des 8./9. Februar 2018

Die PC Games Hardware hat sich mit nVidia-Aussagen im Zuge der Bekanntgabe der letzten nVidia-Quartalszahlen zu den Themen Cryptomining-Boom, Grafikkarten-Lieferflaute und kommende nVidia-Generationen beschäftigt. Augenscheinlich hat auch nVidia eher denn mit einem abnehmenden Interesse am Cryptomining zum Jahresende 2017 hin gerechnet und demzufolge seine Chip-Bestellungen für das Jahr 2018 entsprechend gesetzt – welche sich nunmehr als zu niedrig erwiesen haben, genauso wie bei AMD. Sofern die Gerüchteküche Recht behält und nVidia tatsächlich bereits in diesem Frühling mit "Ampere" eine neue Grafikkarten-Generation vorstellt, kommt dann natürlich verschärfend der End-of-Life-Status zumindest des GP102-Chips hinzu – aber auch der GP104-Chip könnte dann absehbar denselben Status verpasst bekommen. Damit sind kurzfristige Korrekturen der Bestellmenge dann gar nicht mehr möglich, denn nVidia wird natürlich gerade bei zukünftiger "Altware" keinerlei Risiko mehr eingehen. Eine Bestätigung dessen, ob da was kommt oder nicht, gab es im übrigen nicht:

... if you could just kind of extrapolate as you look out into April and maybe July?
Zitat: Blayne Curtis von Barclays
Well, we don't -- we haven’t announced 2018 for April or July. And so the best way to think about that is, Pascal is the best gaming platform on the planet.
Zitat: Jen-Hsun Huang, nVidia-CEO
Quelle: Seeking Alpha

Aber dies wäre auch nicht zu erwarten – nVidia muß sicherlich nicht auf Gerüchte reagieren, sondern arbeitet seinen eigenen Zeitplan ab. Zudem sagt nVidia-CEO Jen-Hsun Huang hier im genauen nicht, das nichts anzukündigen wäre – sondern nur, das (bislang) nichts angekündigt wurde. Das läßt alles für die Zukunft offen, ohne deswegen den Analysten irgendeine Falschinformation gegeben zu haben. Bei noch nicht releaster/vorgestellter Hardware haben die Hersteller auch gegenüber Börsenanalysten durchaus keine Offenlegungspflichten wie hingegen bei Finanzdaten oder wichtigen Geschäftsabschlüssen. Rein praktisch gesehen ist es im übrigen sehr deutlich Zeit für eine neue Grafikkarten-Generation nVidias mit Gamer-Grafikkarten: Die 23 Monate, die man sich bei einem April-Release Zeit lassen würde, sind mit Abstand der längste Zeitraum, welchen nVidia jemals zwischen zwei Grafikkarten-Generationen liegen hatte. Früher hat man in diesem Zeitbereich oftmals gleich zwei Grafikkarten-Generationen herausgebracht – insofern wäre ein noch späterer Termin dann wirklich ungewöhnlich lange selbst für nVidia.

Erstvorstellung Chip-Gen. Prozeß Lebensdauer
GeForce 400 Serie 27. März 2010 mit GeForce GTX 470 & 480 Fermi 40nm -
GeForce 500 Serie 9. November 2010 mit der GeForce GTX 580 Fermi 40nm 8 Monate
GeForce 600 Serie 22. März 2012 mit der GeForce GTX 680 Kepler 28nm 16 Monate
GeForce 700 Serie 23. Mai 2013 mit der GeForce GTX 780 Kepler 28nm 14 Monate
GeForce 900 Serie 19. September 2014 mit der GeForce GTX 980 Maxwell 2 28nm 16 Monate
GeForce 1000 Serie 27. Mai 2016 mit der GeForce GTX 1080 Pascal 16nm 23 Monate
GeForce 2000 Serie 12. April 2018 mit der GeForce GTX 2080 Ampere ? ?
Alle Ampere betreffenden Angaben dieser Tabelle sind reine Annahmen.

Die teilweise geäußerte These, das nVidia gegenüber AMD ja gar nichts neues/besseres liefern muß, zieht zudem nur teilweise: Sicherlich besteht diese grundsätzliche Situation – aber jene kann sich auch wieder ändern, spätestens mit den 7nm-Angeboten der Navi-Generation im nächsten Jahr hat AMD wieder ein neues, heißes Eisen im Feuer. Ewigkeiten könnte sich nVidia mit einer Terminverzögerung also nicht Zeit lassen. Zudem gilt generell, das fertige Hardware ausgeliefert und nicht zurückgehalten wird – dies wäre ja auf Halde liegendes Kapital. Die entscheidende Gegenthese liegt allerdings in den Zeiträumen zwischen Chip-Konzeption und letztlicher Auslieferung: Das jetzt eine derart schwache Wettbewerbs-Situation vorliegt, konnte nVidia bei der Konzeption der GeForce 2000 Serie vor 2-3 Jahren noch nicht ermessen, dies ist ja eher eine Entwicklung der jüngeren Zeit. Ergo konnte nVidia seinerzeit auch noch gar nicht auf die Bremse treten, musste jederzeit von einer starken Konkurrenz seitens AMD ausgehen – und wird daran ausgerichtet die Ampere-Grafikchips zumindest so konzipiert haben, das nVidia jederzeit alle Möglichkeiten in der Hand behält. Aus dieser Warte heraus betrachtet ist ein Zurückfahren des technologischen Fortschritts wegen des derzeit schwachen Wettbewerbs speziell bei der Ampere-Generation nicht unbedingt wahrscheinlich.

Zurückkommend zu den Themen "Cryptomining & Ampere": Hier ergibt sich natürlich die nicht unbedeutsame Frage, wie gut Ampere beim Cryptomining laufen könnte und was dies dann für Lieferbarkeit und Preise der kommenden Ampere-basierenden Grafikkarten bedeuten mag (jene Fragestellung existiert im übrigen egal zu welchem Zeitpunkt Ampere antritt). Diesbezüglich kann man sich von zwei Gedanken leiten lassen: Erstens einmal wird nVidia kaum etwas direkt zugunsten der Cryptominer tun – diese Kundschaft kommt sowieso, aber sie vergrault auch die Stamm-Kundschaft in Form der Gamer, welche nVidia gern vorziehen will. Spezielle Mining-Treiber oder auch eine Hardware, die sich direkt aufs bessere Mining ausgerichtet, ist also kaum von nVidia zu erwarten (toi toi toi). Und zweitens läuft Cryptomining auf neuen Grafikkarten-Generationen üblicherweise mit einer gewissen Verzögerung an – weil erst einmal jene Optimierungen herausgefunden werden müssen, mittels welcher das ganze wirklich Sinn macht. Dazu braucht es Zeit und oftmals auch die jeweiligen Herstellerdesigns, die dann mehr bieten als das Referenzdesign. Jener zweite Gedanke könnte allerdings im schlimmsten Fall auch bedeuten, das Ampere nach Launch nur für wenige Wochen vernünftig erhältlich ist – um nachfolgend wieder von den Cryptominern weggekauft zu werden.

Der Planet 3DNow! hat in AMD-Unterlagen die hochinteressante Entdeckung gemacht, das die (höchstwahrscheinlich im Sommer) kommenden Threadripper 2 Enthusiasten-Prozessoren nicht auf dem neuen Pinnacle-Ridge-Die und damit auf Zen+ basieren werden – im Gegensatz zur Ryzen 2000 Serie. Grundlage hierfür könnte natürlich sein, das AMD einfach noch zu viele für Epyc gedachte Dies herumliegen hat, diese dann also mittels Threadripper 2 verklappt. Gut möglich aber auch, das das kürzlich bekanntgewordene Fehlen eines Epyc-Refreshes auf Basis von Zen+ diese Vorgehensweise provoziert hat: Threadripper ist rein technologisch schließlich ein "Abfallprodukt" von Epyc, war seinerzeit auch gar nicht anders bei den AMD-Bossen durchzubekommen. Mangels neuem Die für Epyc wird es damit auch im Jahr 2018 kein neues Die für Threadripper geben, die ganze Entwicklungslinie bleibt auf alter Hardware stehen. Für Threadripper wird man wohl dennoch neue Prozessoren-Modelle herausbringen, aber dies ist dann ein reiner Marketing-Akt und basiert nicht auf wirklich neuer Hardware (und für Epyc gibt es dieses Jahr wie bekannt gar nichts neues).

Allerdings bringt sich AMD damit dann auch in die Bredoille, das Ryzen 2000 durchaus fixer sein könnte als Threadripper 2000 – einfach weil Ryzen 2000 das bessere, taktfreudigere Die zur Verfügung hat (nebenbei wahrscheinlich auch mit dem besseren Speicher-Support ausgerüstet). Bislang hat AMD diese Situation in der ersten Ryzen/Threadripper-Generation vermieden, indem alle Threadripper-Prozessoren wenigstens die gleichen Taktraten wie die besten Ryzen-Prozessoren aufgewiesen haben – bei unterschiedlichen Dies wird dies in der zweiten Ryzen/Threadripper-Generation nicht mehr so einfach zu realisieren sein. AMD könnte natürlich für Threadripper 2000 die besten Dies horten und damit dann doch die gleichen Taktraten wie bei Ryzen 2000 aufbieten – und dennoch, angesichts der bekannten Taktraten-Mauer von des bisherigen Summit-Ridge-Dies des originalen Ryzen/Threadripper bei ca. 4.1 GHz wird das kein leichtes Unterfangen. Allerdings ist bis zum Sommer noch einiges an Zeit, könnte AMD sich noch umentscheiden oder am Ende eine andere ausgleichende Lösung finden. Denn trotz der sicherlich geringen Vorteile des Pinnacle-Ridge-Dies wird es nicht ganz so einfach werden, neue Enthusiasten-Prozessoren auf Basis eines "alten" Dies unters Volk zu bringen.